Das größte Gehirn der Welt
Das absolut größte Gehirn hat der Pottwal
Der bis zu 20 Meter lange Pottwal (Physeter macrocephalus) hat das größte Gehirn aller Tiere. Es wird bis zu neun Kilo schwer. Das heißt aber nicht, dass der tierische Held aus dem Bestseller „Moby Dick“ auch das klügste Tier ist. Unter den Landtieren sind die Elefanten die Spitzenreiter. Ihr Gehirn bringt es immerhin noch auf vier bis fünf Kilo.


Die Größe allein ist nicht ausschlaggebend
Dennoch sind Menschen mit ihrem nur knapp 1,5 Kilo schweren Gehirn intelligenter als Pottwale oder Elefanten. Die Hirnmasse allein ist also nicht ausschlaggebend für die Intelligenz. Geht es also um das Verhältnis Gehirn- zu Körpermasse?
Das größte Gehirn in Relation zur Körpergröße
Wäre wiederum das Verhältnis Hirn- zu Körpermasse entscheidend, so wäre das Nördliche Spitzhörnchen (Tupaia belangeri) das intelligenteste Lebewesen. Der in Südostasien lebende, (ohne Schwanz) ca. 19 Zentimeter lange und 150 Gramm schwere Kleinsäuger hat in Relation zur Körpermasse das größte Gehirn aller Tiere (einschließlich des Menschen).1 Dennoch sind die Spitzhörnchen nicht intelligenter als Menschen und werden uns in absehbarer Zeit wohl nicht die Weltherrschaft streitigmachen.

Auch die Größenrelation ist nicht entscheidend
Auch hier ergibt sich also kein eindeutiger Zusammenhang. So haben Menschen ungefähr das gleiche Verhältnis von Hirn- zu Körpermasse wie Mäuse. Und doch sind wir intelligenter als die Nager. Es sind also weder die absolute noch die relative Gehirngröße einzig und allein entscheidend für die Intelligenz. Vielmehr kommt es auch darauf an, wie effizient ein Gehirn arbeitet.2 Und dies ist wiederum von zahlreichen weiteren Faktoren wie z. B. seiner Energieversorgung abhängig.
Übrigens: Viele Dinosaurier hatten winzige Gehirne
Ganz anders als die Spitzhörnchen hatten zahlreiche Dinosaurier geradezu winzige Gehirne in Relation zu ihrer Masse Als (Minus-)Rekordhalter gilt unter ihnen der Stegosaurus. An den Überresten eines 4,5 Meter langen und über zwei Tonnen schweren Exemplares konnte seine Gehirnmasse rekonstruiert werden. Das Organ wog nur ca. 80 Gramm und war so klein wie eine Walnuss3. Wäre der Urzeitriese so dumm gewesen, wie sein Mini-Gehirn uns annehmen lassen könnte, hätte er vermutlich nicht Millionen von Jahren überlebt.

Weitere erstaunliche Fakten über Tiergehirne
Die Erforschung von Tiergehirnen hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche überraschende Erkenntnisse geliefert. So zeigte sich, dass manche Tierarten Fähigkeiten besitzen, die man lange Zeit ausschließlich dem Menschen zugetraut hatte. Dazu gehören etwa Werkzeuggebrauch, planvolles Handeln, Lernen durch Beobachtung und sogar Ansätze von Selbstbewusstsein.
Besonders bekannt sind die Leistungen von Krähen und Raben. Die intelligenten Vögel können Werkzeuge nicht nur benutzen, sondern in bestimmten Situationen sogar herstellen oder verändern. In Experimenten gelang es ihnen, Drähte zu verbiegen, um damit an Nahrung zu gelangen. Einige Arten verstecken zudem Nahrungsvorräte und können sich Monate später noch an deren Lage erinnern. Diese Fähigkeiten sind bemerkenswert, da das Gehirn einer Krähe nur einen Bruchteil des Gewichts eines menschlichen Gehirns erreicht.
Auch Papageien zählen zu den intelligentesten Tieren der Erde. Sie können komplexe Probleme lösen und verfügen über ein erstaunliches Lernvermögen. Berühmt wurde insbesondere der Graupapagei Alex, der über Jahre hinweg von Wissenschaftlern untersucht wurde. Er konnte Farben, Formen und Mengen unterscheiden und zeigte Fähigkeiten, die weit über einfaches Auswendiglernen hinausgingen.
Unter den Säugetieren gelten Menschenaffen als besonders intelligent. Schimpansen und Bonobos verwenden Werkzeuge, erkennen sich im Spiegel und leben in komplexen sozialen Gruppen. Ihre geistigen Fähigkeiten ähneln in manchen Bereichen denen kleiner Kinder. Auch Orang-Utans und Gorillas verfügen über ein hohes Maß an Lernfähigkeit und Problemlösungskompetenz.
Delfine beeindrucken Forscher ebenfalls seit vielen Jahren. Sie besitzen große Gehirne und zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten. In freier Wildbahn arbeiten sie bei der Jagd zusammen, erkennen einzelne Artgenossen über charakteristische Pfeiflaute und können neue Verhaltensweisen voneinander lernen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass Delfine zu den intelligentesten nichtmenschlichen Lebewesen überhaupt gehören.
Ein wichtiger Begriff in der Hirnforschung ist der sogenannte Enzephalisationsquotient. Dabei handelt es sich um einen Vergleich zwischen der tatsächlichen Gehirngröße und der für ein Tier dieser Körpergröße erwarteten Gehirngröße. Arten mit einem hohen Enzephalisationsquotienten gelten häufig als besonders intelligent. Menschen erreichen hierbei einen Spitzenwert. Auch Delfine und einige Menschenaffen schneiden deutlich besser ab als die meisten anderen Säugetiere.
Allerdings besitzt auch dieser Wert Grenzen. So gibt es Tierarten mit vergleichsweise hohem Enzephalisationsquotienten, die dennoch keine außergewöhnlichen geistigen Leistungen zeigen. Andererseits überraschen manche Vogelarten mit bemerkenswerten Fähigkeiten, obwohl ihre Gehirne sehr klein sind. Dies verdeutlicht erneut, dass Intelligenz nicht allein von Größe oder Gewicht des Gehirns abhängt.
Eine wichtige Rolle spielt die Anzahl der Nervenzellen. Moderne Untersuchungen zeigen, dass manche Vogelarten auf engem Raum besonders viele Nervenzellen unterbringen können. Dadurch erreichen sie eine hohe Rechenleistung, obwohl ihr Gehirn deutlich kleiner ist als das vieler Säugetiere. Entscheidend ist also nicht nur die Größe eines Gehirns, sondern auch dessen innere Struktur und Vernetzung.
Auch ausgestorbene Tiere liefern interessante Hinweise. Lange Zeit wurden Dinosaurier wegen ihrer oft kleinen Gehirne als besonders primitive Lebewesen betrachtet. Heute sehen Wissenschaftler dies differenzierter. Viele Dinosaurier waren erfolgreiche Tiere, die sich über Millionen von Jahren behaupteten. Einige Raubsaurier besaßen vermutlich deutlich bessere Sinnesleistungen und komplexeres Verhalten als früher angenommen.
Das menschliche Gehirn bleibt dennoch einzigartig. Es enthält etwa 86 Milliarden Nervenzellen und zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Fähigkeit zu Sprache, abstraktem Denken und langfristiger Planung aus. Seine Leistungsfähigkeit beruht jedoch nicht allein auf seiner Größe. Vielmehr ist es das Zusammenspiel aus Nervenzellen, Vernetzung, Energieversorgung und Entwicklungsgeschichte, das den Menschen zu einer der intelligentesten Arten der Erde gemacht hat.
Die Frage nach dem größten Gehirn der Welt lässt sich daher leicht beantworten: Der Pottwal ist Rekordhalter. Die Frage nach dem intelligentesten Lebewesen ist dagegen deutlich schwieriger. Die Forschung zeigt immer wieder, dass Intelligenz auf sehr unterschiedliche Weise entstehen kann und dass die Größe eines Gehirns nur einen kleinen Teil der gesamten Geschichte erzählt.
Kuriose Rekorde aus der Welt der Tiergehirne
Nicht nur der Pottwal hält einen beeindruckenden Rekord. Auch andere Tierarten überraschen mit außergewöhnlichen Gehirnleistungen. So besitzen manche Zugvögel ein erstaunliches Orientierungsvermögen. Sie legen jedes Jahr Tausende Kilometer zurück und finden dennoch mit großer Genauigkeit ihre Brutgebiete wieder. Wie genau dies funktioniert, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Vermutlich nutzen die Tiere eine Kombination aus Sonnenstand, Sternen, Landschaftsmerkmalen und dem Magnetfeld der Erde.
Honigbienen verfügen trotz ihres winzigen Gehirns über bemerkenswerte Fähigkeiten. Sie können Farben und Formen unterscheiden, einfache Lernaufgaben bewältigen und ihren Artgenossen durch den berühmten Schwänzeltanz mitteilen, wo sich ergiebige Nahrungsquellen befinden. Die dafür notwendigen Informationen werden auf erstaunlich effiziente Weise verarbeitet.
Auch Kraken gelten als außergewöhnlich intelligente Tiere. Sie können Schraubverschlüsse öffnen, Labyrinthe bewältigen und aus Beobachtungen lernen. Besonders bemerkenswert ist, dass ein großer Teil ihrer Nervenzellen nicht im Gehirn selbst, sondern in den Armen sitzt. Dadurch können die Arme viele Bewegungen selbstständig koordinieren. Kraken gelten daher als eines der ungewöhnlichsten Beispiele für die Evolution komplexer Intelligenz.
Bei sozialen Tierarten spielt zudem die Kommunikation eine wichtige Rolle. Wölfe, Delfine, Elefanten und verschiedene Primatenarten leben in Gruppen mit komplexen sozialen Beziehungen. Die Tiere müssen sich Individuen merken, Rangordnungen erkennen und auf das Verhalten anderer Gruppenmitglieder reagieren. Viele Forscher gehen davon aus, dass solche sozialen Herausforderungen die Entwicklung leistungsfähiger Gehirne begünstigt haben.
Die Erforschung tierischer Intelligenz ist noch lange nicht abgeschlossen. Mit modernen Untersuchungsmethoden entdecken Wissenschaftler immer wieder neue Fähigkeiten, die früher für unmöglich gehalten wurden. Je mehr über Tiergehirne bekannt wird, desto deutlicher zeigt sich, dass Intelligenz viele verschiedene Formen annehmen kann. Große Gehirne sind dabei nur ein Teil des Gesamtbildes. Oft sind die Organisation, die Vernetzung und die Anpassung an die jeweilige Lebensweise wesentlich wichtiger als die reine Größe des Organs.
Fazit
Das größte Gehirn der Welt gehört dem Pottwal und kann ein Gewicht von bis zu neun Kilogramm erreichen. Das relativ größte Gehirn besitzt dagegen das Nördliche Spitzhörnchen. Beide Rekorde erlauben jedoch keine direkten Rückschlüsse auf die Intelligenz der betreffenden Tiere. Moderne Forschungsergebnisse zeigen, dass weder die absolute noch die relative Gehirngröße allein entscheidend sind. Vielmehr kommt es auf die Anzahl der Nervenzellen, ihre Vernetzung und die Leistungsfähigkeit des gesamten Nervensystems an. Die Frage nach dem größten Gehirn ist daher leicht zu beantworten. Die Frage nach dem intelligentesten Tier der Welt beschäftigt die Wissenschaft hingegen bis heute.