Weißer Hai

Haiangriffe – Zahlen und Fakten

Ein Rückblick auf die Haiattacken der letzten 20 Jahre

Die ewige Angst vor dem Hai

Hartnäckig hält sie sich in unseren Köpfen: Die Angst vor dem Hai. Dabei sind es nicht nur Medienberichte von tatsächlichen Haiangriffen, die diese Furcht am Leben halten. Auch oder gerade fiktionale, geradezu dämonisierende Darstellungen wie in „Deep Blue Sea“ oder Spielbergs „Der weiße Hai“ nähren den Mythos vom blutrünstigen Killer. Aber wie begründet ist diese Angst wirklich?

Werfen wir hierzu einen Blick auf die Statistik letzten zwanzig Jahre. 

Datengrundlage:
Ausgewertet wurde der Zeitraum vom 01. September 1999 bis 30. August 2019 (20 Jahre) anhand des GSAF (Global Shark Attack File) Diese, vom Shark Research Institute (Princeton, USA), geführte Datenbank ist neben dem ISAF (International Shark Attack File) die umfassendste weltweit.
Nicht berücksichtigt wurden:
– Unbestätigte oder als nicht glaubhaft eingestufte Meldungen (190 Meldungen)
– Verletzungen beim Hantieren mit gefangenen Haien z.B. durch Fischer (181 Meldungen)
– Schiffshavarien und Flugzeugabstürze (18 Meldungen)

Rund 1.500 Haiunfälle mit 170 Toten in 20 Jahren

Laut GSAF wurden in den vergangenen 20 Jahren 170 Menschen von Haien getötet. 1.362 weitere wurden verletzt. Bei den Verletzungen reichte das Spektrum von harmlosen Prellungen und Schürfwunden bis zum Verlust ganzer Gliedmaßen. Im Mittel bedeuten diese Werte jährlich 8,5 Tote und 68 Verletzte – weltweit. Darüber hinaus ist – insbesondere in Entwicklungsländern – von einer gewissen Dunkelziffer, also nicht gemeldeten Unfällen, auszugehen.

Surfer traf es am häufigsten

Nimmt man Tote und Verletzte zusammen, traf es Surfer (einschl. Body Boarder) mit 657 Opfern am häufigsten, gefolgt von Schwimmern (einschl. Schnorchlern) mit 371 Fällen (Abb. 1). Und das obwohl weltweit zweifellos weit weniger Menschen surfen als schwimmen. Viele populäre Surfspots z.B. in Australien oder Südafrika befinden sich in Jagdgebieten potenziell gefährlicher Haiarten, so dass Begegnungen dort besonders wahrscheinlich sind. Häufig werden dabei Verwechslungen der Silhouette des Surfboards mit Beutetieren wie Robben oder Schildkröten als Ursache angenommen.

Angriffe auf Schwimmer häufiger tödlich

Während jedoch „nur“ 46 Surfer bei den Attacken ums Leben kamen, also jeder vierzehnte Angriff tödlich endete, war es bei den Schwimmern mit 64 Toten etwa jeder sechste Angriff. Haittacken auf Surfer trafen oft mehr das Board als den Menschen selbst und der Hai ließ nach einem Biss in den unbekannten Fremdkörper ab. Ein Schwimmer hat diesen „Schutzschild“ nicht.

Grafik Haiangriffe bei verschiedenen Wassersportarten
Abbildung 1: Tote und Verletzte der letzten 20 Jahre nach Aktivität während des Unfalls (Stand 30.08.2019)

Begegnungen auch im Flachwasser

Um auf einen Hai zu treffen, muss man jedoch keineswegs zwangsläufig weit hinausschwimmen. Immerhin 145 Menschen wurden seit 1999 beim Waten oder Stehen im flachen Wasser verletzt. Meist waren es jedoch folgenarme, eher zufällige Zusammenstöße mit kleinen Haien, die dabei wahrscheinlich einen ebenso großen Schrecken erlitten wie die Menschen. Nur sehr selten kam hier es zu Angriffen durch größere Tiere und in 20 Jahren endeten „nur“ vier davon tödlich. 

Die Hotspots

In 64 Ländern wurden in den vergangenen zwei Dekaden Menschen durch Haie getötet oder verletzt. Darunter auch das bei Deutschen äußerst beliebte Urlaubsziel Ägypten, das mit fünf Toten den siebten Rang bei den Todesfällen belegt (Abb. 2). Die mit Abstand meisten Meldungen stammen jedoch aus den USA, insbesondere Florida, mit mehr als 800 Verletzten und 17 Toten. Es folgen Australien und Südafrika mit zwar weitaus weniger Unfällen, die allerdings viel häufiger tödlich endeten als in den Vereinigten Staaten.

Grafik Haiangriffe weltweit
Abbildung 2: Tote und Verletzte der letzten 20 Jahre in den zehn Ländern mit den meisten Todesfällen (Stand 30.08.2019)

Europa kaum betroffen

Besonders selten waren Haiattacken in Europa. Nur zwölf Fälle wurden in den letzten 20 Jahren gemeldet. Neun davon ereigneten sich in Spanien, davon wiederum vier auf den Kanaren. Einzelfälle gab es zudem in Italien, England und Kroatien. Getötet wurde niemand und die meisten Opfer trugen nur leichte Verletzungen davon. 

Haiart bleibt oft ungeklärt

Nach einer Attacke bleibt es oft im Dunklen, um welche Haispezies es sich handelte. Doch immerhin 560 Verletzten und Toten der letzten 20 Jahre konnte das GSAF bestimmte Arten sicher oder zumindest als wahrscheinlich zuordnen. Für diese 560 Fälle werden rund 30 der weltweit über 500 Haiarten verantwortlich gemacht. Darunter viele kleine oder als harmlos geltende Spezies wie z.B. verschiedene Riffhaiarten oder Ammenhaie. Zusammenstöße mit diesen gingen in der Regel mit geringen Verletzungen, zumindest aber nie tödlich aus. Oft kamen die Menschen aus Leichtsinn oder aber ohne es zu bemerken den Fischen zu nah, so dass diese sich bedroht fühlten. 

Drei Arten für fast alle Todesopfer verantwortlich

Beschränkt man den Blick allein auf die tödlichen Haiattacken, ergibt sich ein wesentlich kleinerer „Täterkreis“. In 89 Todesfällen konnte die (zumindest wahrscheinliche) Haiart ermittelt werden (Abb. 3). Allein der wohl prominenteste Hai, der bis zu sechs Meter lange und bis zwei Tonnen schwere Weiße Hai (Carcharodon carcharias) ist für etwa die Hälfte der Todesopfer verantwortlich. Fast alle übrigen gehen zu gleichen Teilen auf das Konto des nur geringfügig kleineren Tigerhais (Galeocerdo cuvier) sowie des Bullenhais (Carcharhinus leucas), der bis zu dreieinhalb Meter erreicht und dafür bekannt ist, sich oft im Bereich von Flussmündungen aufzuhalten und manchmal sogar viele km weit flussaufwärts ins Landesinnere zu schwimmen. Nur drei Tote wurden anderen Arten, dem Makohai (Isurus oxyrinchus) und dem Weißspitzenhochseehai (Carcharhinus longimanus), zugeschrieben. Letzterer wird von vielen Autoren als besonders gefährlich beschrieben. Er gilt jedoch als reiner Hochseefisch, so dass Begegnungen z.B. mit Schwimmern entsprechend selten sind.

Grafik Haie mit den meisten Todesopfern
Abbildung 3: Todesopfer der letzten 20 Jahre (N=89) differenziert nach Haiart
  • Weißer Hai
    Weißer Hai (Foto: Terry Goss, „White shark“, CC BY 2.5)

Unterschiedliche Überlebenschancen

Aber selbst die Angriffe der drei „Haupttäter“ wurden meist überlebt. Während beim Bullenhai jeder sechste dokumentierte Angriff tödlich verlief, war es beim Tigerhai jeder vierte. Und selbst Angriffe durch den Weißen Hai endeten „nur“ jedes dritte Mal tödlich. In einigen Fällen rammten die Haie das Opfer oder ihr Board ohne zuzubeißen, so dass es lediglich zu Prellungen oder Schürfungen kam, in anderen ließen sie nach einmaligem, nicht tödlichem Biss wieder ab. Manchmal ließen sich Haie auch durch heftige Gegenwehr wie Schläge auf Kiemen und Augen in die Flucht schlagen. 

Fazit: Die wahre Gefahr im Wasser ist nicht der Hai

Die Zahlen zeigen es: Ja, es gibt jedes Jahr Haiangriffe. Und gewiss sind es einige mehr als in den internationalen Datenbanken dokumentiert sind. Und auch wenn die meisten Zwischenfälle glimpflich ausgehen, enden einige wenige leider auch tödlich. Diesen im Schnitt weniger als zehn Toten pro Jahr stehen jedoch weltweit Millionen von Menschen gegenüber, die im Meer surfen, schwimmen oder sich sonstwie vergnügen. Befindet man sich also nicht gerade an einem der absoluten Hotspots, geht die statistische Wahrscheinlichkeit einer Attacke sehr, sehr nah gegen Null. Das Risiko, von einem Hai verletzt oder gar getötet zu werden existiert zwar, wird aber von vielen Menschen in völlig irrationalem Maße überschätzt. Auf umso fatalere Weise verkannt wird dagegen die wahre Gefahr, die im Wasser lauert:

Laut DLRG sind 2018 mehr als 500 Menschen ertrunken – nur in einem Jahr und nur in Deutschland!

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